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Albertus
Seba

Am
12. Mai im Jahre 1665 kam Albert, der Stammhalter von Grete
Albers und Johann Wilken Seba, in Etzel zur Welt. Niemand
konnte damals ahnen, daß dieser Junge aus dem Loog einmal zu
den berühmtesten Persönlichkeiten heranreifen sollte, die
Ostfriesland jemals hervorbrachte. Der kleine Albert genoß in
seiner Kinderzeit ungewöhnliche Freiheiten. So durchstromerte
er die Geest auf der Jagd nach interessanten Feuer- und
Kieselsteinen. Viel
spannender dürften aber seine Ausflüge in die nahegelegenen
Randflächen des schwarzen Bracks gewesen sein. Hier bot sich
ihm ein Paradies von zu sammelnden Objekten wie Krebse,
Muscheln und anderem Getier an.
In
der Schulzeit während der Wintermonate fiel seine Wißbegierigkeit
auch seinem Schulmeister auf. In freiwilligen Stunden konnte
der Junge zusätzlich zum normalen, sehr spärlichen Stoff
erste Lateinkenntnisse vermittelt bekommen.
Erst sehr spät wurde Albert aufgrund seines Talents von
seiner Verwandtschaft in eine Apothekerlehre nach Neustadtgödens
vermittelt. Da dieser junge Ort wenige Jahrzehnte vorher von
eingewanderten holländischen Mennoniten aufgebaut worden war
,lernte er schon in diesem ersten Lehrjahr, neben den
naturkundlichen Grundkenntnissen, die dortige holländische
Umgangssprache kennen.
Für heutige Verhältnisse ungewöhnlich dann sein weiterer
Werdegang. Dem zweiten Lehrjahr im nahen niederländischen
Groningen folgte das dritte in der damaligen Weltstadt
Amsterdam. Der Lehrzeit folgten jeweils dreijährige
Gesellenzeiten in Nürnberg, Straßburg und wiederum
Amsterdam. In dieser, sei-ner nun neuen Heimat, legte er 1697
dann sein Examen als Apotheker ab.
Schon
im Jahre 1700 kaufte er sich am Haarlemmerdijk in Amsterdam
ein Haus und machte sich selbständig ( dieses Haus existiert
noch heute in seiner äußerlichen Ursprünglichkeit). Sein
neues Unternehmen nannte er " De Deuitse Apotheek".
Mit seinem Wissen und seiner Umtriebigkeit machte er sich
schnell einen guten Namen bei den Kapitänen der einlaufenden
Schiffe des nahen Hafens. So eilte er, gerade das die Schiffe
angelegt hatten, an Bord, verkaufte seine Medikamente und
legte den Matrosen heilende Salben und Verbände an. Nicht
selten akzeptierte er für seine Leistungen anstatt Barem,
auch die aus aller Welt mitgebrachten Heil-pflanzen und das
absonderlichste Getier.
Dies war dann auch wohl der Anstoß, neben dem Alltagsgeschäft,
einen Großhandel mit Arzneimitteln aufzubauen. Die schon
damals die ganze bekannte Welt absegelnde Amsterdamer
Kaufmannschaft beauftragte er mit dem Ankauf von Heilpflanzen.
Diese wiederum verkaufte er nach Aufbereitung im ganzen nördlichen
Europa bis hin nach Rußland.
Da
wir Alberts ( er nannte sich nun Albertus) Sammelleidenschaft
aus seiner Jugend kennen, blieb es nicht aus, daß er sich
wieder dieser Leidenschaft wid-mete. So legte er sich
innerhalb einer relativ kurzen Zeit eine ungeheuer große
Sammlung von seltenen Tieren und Pflanzen aus aller Welt zu.
Sein Naturalien-kabinett galt schnell als das schönste und größte
seiner Zeit.
Zar Peter der Große
Selbst der russische Zar, Peter der Große, wurde anläßlich
seines Amsterdamer Aufenthaltes auf diese Sammlung vom
Amsterdamer Bürgermeister, einem Freund Alberts, darauf
aufmerksam gemacht. Zar Peter besuchte Albert in seinem
Do-mizil und kaufte die Sammlung kurzerhand für eine Summe
von 15 000 Gulden auf ( noch heute kann man Teile dieser
Sammlung in der St. Petersburger Eremitage bewundern ).
Der
einträgliche Verkauf war Grund genug, eine neue Sammlung in
einem noch weitaus größerem Umfang anzulegen. Zudem war
Albert getrieben, der Wißbegie-rigkeit seiner Zeit Tribut zu
zollen. Er entschloß sich, ein später vierbändiges,
Nachschlagewerk auf Grundlage seiner Sammlungen zu erstellen.
Dieses Werk, der " Große Thesaurus", war
reich illustriert und aufwendig in Leder gebunden in einer Größe
von 48 mal 32 cm gefertigt. Albert verpflichtete bis zu fünfzehn
Künstler mit der Erstellung der Zeichnungen (Kupferstiche)
und eine Reihe von "Schönschreibern". Im Jahre 1734
erschien, teilweise handkoloriert, der erste Band in einer
lateinisch - holländischen undn einer lateinisch - französischen
Ausgabe.

Aus
Thesaurus Bd. 2
Dieser erste Band beschrieb zunächst allgemein und hauptsächlich
überseeische Tiere und Pflanzen. Der zweite Band beschäftigte
sich mit Schlangen, der dritte mit Fischen in aller Vielfalt
und der vierte Band schließlich mit Insekten und Mi-neralien.
Albert nannte das Gesamtwerk "Thesaurus" (griechisch-lateinisch:
Titel wissen-schaftlicher Sammelwerke), es wurde eines der
Standardwerte der Biologie und durfte in keiner Universitätsbibliothek
fehlen und kann noch heute vielerorts eingesehen werden.

Aus
Thesaurus Bd. 4
Selbst
der große Schwede Carl von Linné, der Begründer der
neuzeitlichen Bio-logie, bediente sich in seinen
Ausarbeitungen sehr oft des Thesaurus und hieraus immer wieder
der künstlerisch hervorragenden Stiche.

Carl
von Linné
Natürlich
blieb es durch den steigenden Ruhm nicht aus, daß Albert Ehre
zuteil wurde. So wurde er unter anderem Mitglied der Akademien
von London, Straßburg und Bologna.
Albert
Seba starb infolge von Nachwirkungen einer Nierenkolik am 2.
Mai 1736, kurz vor Vollendung seines 71. Lebensjahres. Er
wurde auf dem Friedhof der Amsterdamer Westerkeerk (in
unmittelbarer Nähe des späteren "Anne Frank
Hauses") beigesetzt.
Am
12. März 1986, jährte sich der zweihundertfünfzigste
Todestag von Albertus Sebas. Dies war Grund für die Etzeler
Einwohnerschaft, eine weitgehende Würdigung seiner Person und
seines Schaffens vorzunehmen. Neben Austellungen und
Gedenkveranstaltungen wurde ihm zu Ehren ein kleiner Platz mit
Gedenkstein, in seinem Loog direkt am Kirchturm, errichtet und
eingeweiht.
" Wandere durchs Leben wie die
aufmerksame Biene,
stolziere nicht wie die Spinne darüber hinweg,
denn in Worten, in Kräutern und Steinen
liegt die Kraft, Gott wird Sorge dafür tragen."
Albert
in einer Buchwidmung für seinen Freund Carl von Linné- 1735.
Gedenkstein
zum 250. Todestag Sebas
Einige
Notizen am Rande:
Albert
vergaß nie seine Etzeler. Neben seinen großzügigen
Schenkungen an die Kirchengemeinde übersandte er auch seiner
Familie einen "Thesaurus". Seine Angehörigen
konnten allerdings nicht allzuviel damit anfangen und
beklebten die Zimmerwände mit den herausgetrennten
Kunstdrucken.
Schenkungen
von Seba an die Kirchengemeinde
 
Die
tierischen Exponate der Sammlung für den Zaren waren in
reinem Alkohol eingelegt. Daher war es nicht verwunderlich, daß
die hartgesottenen und durstigen Matrosen diese Flüssigkeiten
auch anders zu nutzen wußten. Eine große Anzahl der Exponate
erreichte St. Petersburg daher in einem verdorbenen Zustand
und mußte nachbeschafft werden.
Das Nachfolgegebäude des Geburtshauses von Albert ist leider
dem Verfall preisgegeben.
An der Dorfstraße gegenüber dem Burwall
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